Home – SWEET HOME !

Hallo mein geliebtes Bett. Hallo meine geliebte Dusche. Hallo meine geliebte Kaffeepadmaschine. Ich gebe zu, ich höre mich an wie ein Baustein-treues Legomännchen. Aber sieben Tage in der Wildnis zeigen mir eindeutig: Ich bin ohne unseren technischen Wohlstand nicht überlebensfähig!

Zumindest nicht ohne meine Freunde! Ohne Benni hätten wir sicher nie ein Lagerfeuer entfacht. Geschweige denn, dass wir auf die Idee gekommen wären mit unseren Fahrrädern unsere Handys aufzuladen. Aber auch Kim hat sich tapfer dem nächtlichen Kampf gegen Mücken, Spinnen und überhaupt allem, was da draußen kreucht und fleucht, gestellt. Seither ist sie meine persönliche „Kim Wild(e)“.

Maroni mit Honig

Für meine zwei Survival-Experten würde ich auch jederzeit wieder Kastanien aus dem Feuer holen. Das ich sowas überhaupt mal mache, habe ich zwei Finnen zu verdanken – Mika und Leevi. Die beiden Brüder kamen einen Tag nach uns am See an und bauten ihr Zelt direkt neben unseren auf. Die Verständigung lief eher holprig. Daher stand ich auch vollkommen unter Schock, als sich Mika am Lagerfeuer meine Hand schnappte und sie in die glühenden Kohlen hielt. Nur waren da am Rand gar keine heißen Kohlen, sondern warme Maroni. Das sind – wie ich jetzt auch endlich weiß – essbare Kastanien, die mit einem kleinen Klecks Honig verdammt lecker schmecken!

cabinporn.com

Am Freitag haben wir unseren idyllischen Platz am See verlassen und sind zu einer kleinen Waldhütte aufgebrochen. Unterwegs haben wir Anna kennen gelernt. Sie reist gerade quer durch Deutschland um einen alten Freund wieder zu finden. Da in der alten Jagdhütte von Benni´s Opa viel Platz ist und Anna gerade dringend eine Unterkunft suchte, haben wir sie direkt eingeladen uns zu begleiten. Das kleine Häuschen stand einsam und verlassen mitten im tiefen Wald. Ich befürchtete erst Anna denkt, wir wollen sie verschleppen oder schlimmeres. Ich malte mir bei dem Anblick ehrlich gesagt selbst die Neuauflage von „Blair Witch Project“ aus. Doch unsere neue Begleiterin war begeistert von der Hütte. Anna erkannte die romantische Kulisse für ungestörte Stunden zu zweit vorm Kamin. Auch Kim musste das erkannt haben, sie sendete sofort ein Foto an www.cabinporn.com.

Wer ist Anna?

Die Nacht in der Jagdhütte verbrachten wir mit einer Runde UNO und zwei Flaschen Rum. Benni war Anna gegenüber besonders neugierig. Die 1,62 Meter kleine Frau mit den gelockten aschblonden Haaren und dem auffälligen Federschmuck schien ihn zu faszinieren. Anna erzählte davon, wie sie im Kindesalter ihren Seelenverwandten gefunden hatte. Vom einstigen Sandkastenfreund zur ersten großen Liebe – der Mann mit dem klangvollen Spitznamen Kritzel, war immer an ihrer Seite. Bis er dann vor 2 Jahren mit seiner Familie weg zog und sich nicht mehr bei ihr meldete. Anna machte ihr Abitur, begann ein Medizinstudium und sparte nebenbei Geld um sich auf die Suche nach Kritzel zu machen. Bei dieser hollywoodreifen Love-Story hatte unser Benni keine Chance.

Jetzt steht Anna übrigens gerade in unserer WG-Küche und backt Bananenbrot für Kim und mich. An dem Abend in der Jagdhütte hatten wir nämlich einen Deal ausgehandelt. Anna kocht für uns und dafür darf sie vierzehn Tage lang auf der WG-Coach übernachten. Ob der Aufwand dem alten Klappsofa gegenüber fair ist, wage ich noch zu bezweifeln. Aber Anna selbst hatte den Deal schließlich vorgeschlagen. Und mit ihrem ultramarinblauen Kochbuch ist sie eine echte Kuriosität in unserer Küche!

Kim Karamell hat ihren Status aktualisiert: Eine Woche nicht zu Haus und schon finde ich mein königsblaues Tagebuch nicht mehr. Alzheimer lässt grüßen! – vor 27 Minuten

 

Eiskaltes Erwachen

Sonntagmorgen 8:30 Uhr, kühle 9 Grad, der Himmel voller Wolken – Jede Zelle meines Körpers schreit: BETT! Kim schreit: AUFSTEHEN! Ich will nicht! Ich bin Langschläfer aus Leidenschaft! Es lockt mich auch nicht gerade aus meiner wohlig warmen Federdecke hervor, wenn ich daran denke, dass wir eine 76 Kilometer lange Fahrradtour vor uns haben. Ich war noch nie besonders sportlich. Meine wöchentlichen 2 Stunden Sport habe ich Kim zu verdanken.

Auf den ersten Blick

An meinem ersten Tag an der Uni war ich hoffnungslos verloren. Doch gerade als ich zum fünfzigsten Mal auf dem Campusplan meinen Standort suchte, blickten mich zwei ebenso verzweifelte blaue Augen an. Kim hatte noch nicht einmal einen Campusplan, aber das gleiche Ziel und ein offenherziges Lächeln. Überhaupt war sie mir mit ihren gelben Chucks, ihren engen dunkelblauen Röhrenjeans und der roten College-Jacke direkt sehr sympathisch. Zusammen haben wir es sogar noch rechtzeitig zur Einführungsstunde geschafft. Als Belohnung für unseren ersten kleinen Erfolg, wollten wir direkt danach einen Latte Macchiato trinken gehen.

Dich kann ich gut riechen

In einer fremden Stadt ein Café zu finden, war noch recht einfach. Die Sporthalle der Hochschule hingegen erschloss sich uns wie das Bermudadreieck. Kim und ich hatten bei Kaffee und Vanille-Eis beschlossen, dass Sport uns sicher gut tun würde – Wie ich dem zustimmen konnte, ist mir heute noch ein Rätsel! – Mit unserem Orientierungssinn und einem tausendfach gefalteten Campusplan, dauerte die Suche nach der Sporthalle gut eine Stunde. Den Weg vom Café aus schaffen eingefleischte Studenten übrigens in zehn Minuten. Manchmal ist eben der Weg das Ziel und so ein Kilometermarsch geht ja wohl als Ausdauerübung durch!

Der Leiter des Hochschulsports hat das allerdings anders gesehen und uns gleich zwei Kurse aufgeschwatzt. Seither sind wir im Volleyball-Team und in der Fitness-Gruppe. Und seither kennen wir auch Benni. Naja zumindest haben wir ihn dort das erste Mal gesehen. Er hatte gerade eine Stunde Karate hinter sich und kam mit 2 anderen Jungs aus dem Umkleideraum. Benni sah aus wie der typische Student. Ein lachser Typ in moosgrüner Stoffhose und Comic-Shirt mit Nerdbrille und einer noch leicht nassen Scheitelfrisur mit zurückfrisierten Seitenpartien. Doch als er mit einem Lächeln an uns vorbei ging, atmete ich den Geruch eines impulsiven Mannes ein. Auch Kim war von dem energetischen Duft betört.

Noch 5 Minuten

Mein Lieblingssender ist auf meiner Seite. Zumindest ertönen gerade die sanften Klänge von Bedouin Soundclash mit „12:59 Lullaby“ aus meinem Radiowecker. Ein Lied, das wie gemacht ist um liegen zu bleiben… wenigstens noch 5 Minuten – AHHHHHHHHHH !

Kim Karamell hat ihren Status aktualisiert: Abtauen kann jeder. Ich mache aus dem Eis im Gefrierfach Schneebälle. Und damit erwecke ich jetzt mein Schneewittchen aus dem Tiefschlaf 🙂 – vor 1 Sekunde

Minz-Gründonnerstag

Minzgrünes 5-lagiges Toilettenpapier, Aspirin, Mini-Zahncreme mit Pfefferminzgeschmack – Ja jetzt müsste ich alles zusammen haben. Ich habe diesmal extra eine Einkaufsliste gemacht. Normaler Weise gehe ich immer sehr spontan in den Supermarkt und schnappe mir, worauf ich gerade Lust habe. Das führt sehr häufig dazu, dass es in unserer WG-Küche häufiger am Nötigsten mangelt – wie zum Beispiel Salz. Dafür haben wir von allem Anderen immer zu viel da. Was uns kürzlich auch dazu verführt hat, das Nudelwasser mit Salzstangen zu würzen. Funktioniert übrigens tadellos!

Doch in drei Tagen starten meine Mitbewohnerin Kim und ich zusammen mit unserem besten Kumpel Benni in einen Osterausflug. Wir wollen mit dem Fahrrad an den See fahren und dort campen. Da ich aber nicht mit einem 50 Kilo-Rucksack durch die Welt strampeln will, habe ich mir diesmal einen Plan gemacht. Nein, stimmt nicht. Kim hat diesen Plan gemacht und Benni hat ihn sogar abgesegnet. Besser so. Würde ich diesen Trip planen, würden wir wohl quer Feld ein fahren und dann ausgehungert bei Burger King landen.

Am Oster-Sonntag geht es endlich los! Ich freue mich schon riesig auf das Abenteuer!

Kim Karamell hat ihren Status aktualisiert: Vermisst: Meine Mitbewohnerin. Zuletzt gesehen mit Einkaufsliste vor ALDI – vor 2 Stunden